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Das unglamouröse Leben dreier unglamouröser Frauen

Dienstag, 9. März 2010
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Guten Tag!

Hirschberg, 09. März 2010. Das Olympia Kino zeigte am 08. März 2010 zum Weltfrauentag die Dokumentation “Wasser und Seife”. Das Leben dreier Waschfrauen ist hart, eintönig und eindeutig nicht schön. Die Frauen tragen es mit Würde und reden sich ihr Leben zufrieden. Was sollen sie auch sonst tun?

Von Sabine Prothmann

schückher

Früher Wäscherin - heute Rentnerin: Monika Schückher. Bild: hblog

Monika Schückher ist von Hamburg nach Hirschberg gereist. Sie ist über 60 Jahre. Ihr Begleiter ist ihr Hund Bonnie. Monika Schückher ist Wäscherin und sie ist Protagonistin des Films „Wasser und Seife“, der anlässlich des Weltfrauentags im Leutershausener Kino „Olympia“ gezeigt wurde.

Nur gut die Hälfte des kleinen Kinos ist gefüllt, der Film ist kein Hollywood Blockbuster und Monika Schückher ist keine Angelina Jolie. Der Film zeigt auch keine Seifenoper, sondern das unglamouröse Leben von drei unglamourösen Frauen, die in Hamburg in einer Reinigung arbeiten.

Gerti Franzen, Tatjana Beth und Monika Schückher sind die drei Protagonistinnen in dem Film von Susan Gluth, der 2009 mit dem Norddeutschen Filmpreis im Bereich „Beste Dokumentation“ ausgezeichnet wurde.

Kein Stoff, aus dem die Träume sind.

Es ist nicht der Stoff aus dem Träume gemacht werden, was Susan Gluth in ihrer Dokumentation zeigt. Die Frauen sind nicht schön. Ihre Wohnungen sind nicht schön. Ihre Arbeit ist nicht spannend. Ihre Freizeit ist nicht spannend. 85 Minuten Film fühlen sich beim Zuschauen wie 20 Jahre “Wasser und Seife” an.

Der Film zeigt das Leben dreier Frauen, die in unserer Mitte leben. Nichts an ihren Leben ist außergewöhnlich. Sie sind weder besonders mutig, noch haben sie Besonderes erlebt. Nichts unterscheidet sie von vielen anderen Frauen, die ein Leben lang hart arbeiten müssen – aber sie tun es mit Würde, wie viele andere auch.

Susan Gluth hat die Geschichte der drei Hamburger Wäscherinnen mit ruhigen Bildern eingefangen. Sie hält drauf, ohne distanzlos zu werden.

Der Zuschauer erlebt deren Alltag in fortlaufender Wiederkehr, zur Arbeit fahren, Wäsche sortieren, Wäschetrommeln füllen, glätten, mangeln, bügeln, falten. Nach Hause fahren, einkaufen, kochen, Fernsehen schauen, Familie treffen, mit dem Hund spazieren gehen.

Aus drei Wochen wurden 20 Jahre.

Früh aufstehen, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit, um 7 Uhr anfangen und dann Wäsche sortieren, Wäschetrommeln füllen, glatt streichen, mangeln, bügeln, falten, sortieren, glätten, bügeln, mangeln, falten – unspektakulär, unaufgeregt, immer wieder die gleichen Handgriffe.

Jeden Tag. Jede Woche. Jeden Monat. Jedes Jahr. Jahre,- jahrzehntelang.

„Ich sollte drei Wochen als Aushilfe vor Weihnachten dort arbeiten“, sagt Monika Schückher im Film und auch später im Gespräch, daraus sind über 20 Jahre geworden.

Es zischt, es dampft, es schäumt, es ist laut, es ist heiß, es ist stressig. Die Wäsche ist schwer, vor allem, wenn sie nass ist. Es ist eine Knochenarbeit.

Zwischen die immer wieder kehrenden Bildern der gleichförmigen Arbeit mischt der Film Informationen über das Leben der drei Frauen.

Nicht viel Schönes.

Gerti lebt allein. Sie ist schon lange geschieden – doch das Hochzeitsbild hängt noch immer an der Wand. „Warum sollte ich es abhängen, wir haben uns ja im Guten getrennt, ich habe von ihm immer alles bekommen, aber dann hat er mich zwei Jahre lang betrogen, da bin ich gegangen“, erzählt sie. An die Geburt der einzigen Tochter denkt sie gerne: „Sonst war nicht viel Schönes“, sagt Gerti.

Jetzt muss sie jeden Cent umdrehen, sie muss sparen und ans Alter denken. Der Job wird schlecht bezahlt.

Tatjana lebt mit ihrem Mann, der Konditor ist, in einer Wohnsiedlung, sie leben weit oben, sie schwärmt vom Ausblick. Die Nachbarn kennt sie nicht, „hier lebt jeder nur für sich, hier werden die Türen geschlossen, wenn man auf den Flur tritt.” Fünf Minuten weiter wohnt die Schwester und gleich dahinter die Mutter, die Familie ist ihr ganz wichtig: „Wir sehen uns und telefonieren täglich.“

„Es gibt keine Mittelschicht mehr, nur ganz oben oder ganz unten, wir sind der Arsch“, sagt der Mann.

zuschauer

Zuschauer im Olympia-Kino. Bild: hblog

„Ganz klar Mittelschicht“, sagt Monika. Sie ist zufrieden mit ihrem Leben. Jeden Tag fährt sie eineinhalb Stunden zur Arbeit. Wenn sie den Anschluss-Bus verpasst, gönnt sie sich eine Tasse Kaffee: “Das muss sein“, sagt sie.

Mit 16 fingt Monika in der “Großen Freiheit” an.

Ihr Leben war nicht immer so gut. Mit 16 hat sie in der „Großen Freiheit“ in der Küche angefangen zu arbeiten. Sie war auch mal verheiratet und hatte vier Kinder. Der Mann hat gesoffen, sagt sie: “Das konnte ich nicht mehr aushalten, dann bin ich abgehauen nach Berlin.“ Auch die Kinder hat sie bei ihm gelassen. Zu ihnen hat sie keinen Kontakt, erfährt der Zuschauer. Das sagt sie lakonisch, fast unemotional. Das ist hart, nicht nachvollziehbar.

Nach der Arbeit geht Monika einkaufen, Bohnen, Kartoffeln: “Ich mache oft Eintopf.“ Sie geht mit dem Hund spazieren, zum Geburtstag bekommt Hund Bonnie Schweinebraten und ein neues Halsband. Sie kümmert sich gut um ihn – als wäre er ein Kind.

Hoffen auf den großen Bingo-Gewinn.

Sie hofft beim Bingo irgendwann mal zu gewinnen, vielleicht 1000 Euro: “Dann mache ich eine Weltreise.“ Reisen tut sie gern, meist fährt sie in den Schwarzwald, aber sie war schon mal drei Tage am Lago Maggiore und möchte unbedingt mal nach Sylt.

„Die letzten 30 Jahre war mein Leben gut“, sagt Monika. Sie arbeitet gern.

„Schön ist das hier nicht, wie ein Gefängnis“, sagt Gerti. Ihr Arbeitsplatz ist bei den großen Wäschetrommeln. Hier ist es heiß, laut und einsam. „Es fehlen nur noch die Gitter“.

Sie verdienen zu wenig. Das Geld gibt es noch in der Lohntüte. “Wir würden aber auch jede andere Arbeit machen”, sagen Tatjana und ihr Mann. Auch für weniger.

Manchmal arbeitet auch Tatjanas Schwester mit in der Wäscherei. Das gefällt Tatjana, denn sie ist ja Familienmensch. Die Nichte Julia ist wiederholt durch die Führerscheinprüfung gefallen. Das ärgert sie, denn die Julia solls mal besser haben.

85 Minuten sind lang – 20 Jahre “Wasser und Seife” sind länger.

85 Minuten zuschauen beim Wäsche sortieren, Wäschetrommeln füllen, glätten, bügeln, falten. 20 Jahre sind länger.

Die Filmemacherin und Kamerafrau Susan Gluth wurde 1968 in Hamburg geboren. Ihr Stiefvater ist der Besitzer der Wäscherei Utecht, in der Monika, Gerti und Tatjana arbeiten.

„Ich kenne die Susan schon seit 1978“, erzählt Monika auf die Frage, wie das sei, so nah gefilmt zu werden. „Sonst hätte ich da auch nicht mitgemacht. Ich habe die Kamera völlig vergessen.“

interview

"Ich hatte ein gutes Leben", sagt Monika Schückher (rechts im Bild: Wiebke Dau-Schmidt). Bild: hblog

100 Stunden hat Susan Gluth in und um die Wäscherei gedreht. Eine intensive Arbeit. Übrig blieben 85 Minuten über das Leben der drei Protagonistinnen.

Als der Vorhang fällt, wird geklatscht. Dann kommt Monika Schückher mit ihrem Hund Bonnie und bekommt großen Applaus.

Sie steht für Fragen bereit. Inzwischen ist sie in Rente, aber die Wäscherei ruft öfter an: „Kannst du nicht mal kommen“, sagt Monika und strahlt dabei.

Ob sich ihr Leben verändert hat, will eine Zuschauerin wissen. „Nö, eigentlich nicht“, sagt Monika. Aber sie ist jetzt doch öfter unterwegs in Deutschland, war in Freiburg und Halle und in anderen Städten, in denen der Film gezeigt wurde. „Das ist manchmal stressiger als acht Stunden arbeiten.“

Frauen am Rande der Gesellschaft.

„Sind sie inzwischen auch nach Sylt gefahren“, wird Monika gefragt. Ja, die Fahrkarte bekam sie vom Filmteam geschenkt. Dort hat die sie eine Rundfahrt gemacht und zum ersten Mal in ihrem Leben Fisch gegessen. „Da musste ich aufpassen, dass ich nicht würge“, sagt die Hamburgerin. „Ich esse nicht gern, was fleucht und kreucht.“

Der Film wurde sogar auf einem Filmfestival in Korea gezeigt. Da wollte sie aber nicht mit: „Ich steig in kein Flugzeug.“

Susan Gluth ist mit „Wasser und Seife“ ein leiser, einfühlsamer Film gelungen, auch, wenn die Maschinen in der Wäscherei zischen und dampfen.

Susan Gluth dreht Filme über Menschen am Rande der Gesellschaft, sagt Wiebke Dau-Schmidt, 1. Vorsitzende des Fördervereins des Olympia Kinos, in ihrer Einführung.

Monika, Gerti und Tatjana sind Frauen am Rande. Und doch mittendrin.

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1 Kommentar zu “Das unglamouröse Leben dreier unglamouröser Frauen”

  1. kompakter

    hallo,

    ich mag, wie sie schreiben, frau prothmann. und zu ganz utnerschiedlichen themen. hier über die waschfrauen, die es es nicht einfach haben und trotzdem irgendwie zurechtkommen und vor einiger zeit über die “traummänner”, als die in heddesheim vor frauenpublikum aufgetreten sind. krasse gegensätze.

    gruß

    #291

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